Die 72 Engel des Shem HaMephorasch: die Quelle hinter den Spiegelstunden

Universe of meaning

Woher stammen die Engelsnamen, die 11:11 oder 22:22 zugeordnet werden? Der Shem HaMephorasch, seine 72 Namen und die richtige Art, sie zu lesen, ohne daraus eine Prophezeiung zu machen.

Ein biblischer Ursprung, keine jüngere Erfindung

Der Name „Shem HaMephorasch" bezeichnet eine Liste von 72 Engelsnamen aus der jüdischen kabbalistischen Tradition. Ihre Quelle ist eine genaue Passage aus dem Buch Exodus (14,19-21), die den Durchzug durchs Rote Meer schildert: Im hebräischen Text zählen drei aufeinanderfolgende Verse jeweils 72 Buchstaben. Legt man sie übereinander und liest sie spaltenweise zu je drei Buchstaben, ergeben sich 72 Kombinationen, die im Lauf der kabbalistischen Kommentare, vor allem der im 13. Jahrhundert verbreiteten, zu Engelsnamen wurden.

Es handelt sich also nicht um eine jüngere Erfindung des New Age, sondern um eine alte Auslegungsmethode, angewandt auf einen genau bestimmten Text. Was das New Age später hinzugefügt hat, ist die Verbindung zu Uhrzeiten, eine sehr viel spätere Praxis, die mit der ursprünglichen Textlesung nichts zu tun hat.

Neun Chöre, 72 eigenständige Wirkbereiche

Die 72 Namen bilden keine bloße Aufzählung: Die Überlieferung ordnet sie neun Chören zu, angelehnt an die Engelshierarchie des Pseudo-Dionysius Areopagita (Seraphim, Cherubim, Throne...), wobei jeder Chor einen eigenen Wirkbereich regiert. Ein Name lässt sich nie gegen einen anderen austauschen: Hahahiah etwa gehört zum Chor der Cherubim und steht für Zuflucht und enthüllte Geheimnisse, während Cahetel, weiter hinten in der Liste, für Ernte und ehrliche Arbeit steht.

  • Jeder Name trägt einen genauen Wirkbereich, der sich aus seiner Position im Ausgangstext ergibt, nicht aus einer nachträglich erfundenen Bedeutung.
  • Die Reihenfolge der 72 Namen steht seit den Kommentaren des 13. Jahrhunderts fest: Keine ernstzunehmende Überlieferung ordnet sie nach Belieben um.
  • Die Verbindung zu einer Uhrzeit ist eine sehr viel später hinzugefügte Schicht, die im ursprünglichen kabbalistischen Text fehlt.

Wie diese Seite jeder Stunde einen Engel zuordnet

Auf dieser Seite erhält jede Spiegelstunde, umgekehrte Stunde oder dreifache Stunde einen dieser 72 Namen, ausgewählt nach der Position der Stunde in der Liste. Einige Beispiele aus den bereits veröffentlichten Fiches: Hahahiah wacht über 11:11 (Zuflucht, enthüllte Geheimnisse), Melahel über 22:22 (Heilung durch Pflanzen, Schutz der Reisenden), Elemiah über 03:33 (Reisen, Erfolg in Unternehmungen), Cahetel über 07:07 (göttliche Segnungen, Ernte) und Lelahel über 05:05 (Licht, Heilung, berechtigter Ruhm).

Einen Engel lesen, ohne darin eine Prophezeiung zu sehen

Die Zuordnung eines Engels zu einer Stunde ist keine persönliche Prophezeiung: Es handelt sich um eine symbolische Entsprechung, genau wie bei einer Tarotkarte oder einer numerologischen Zahl. 11:11 zu sehen bedeutet nicht, dass Hahahiah Ihnen in genau diesem Moment eine bestimmte Botschaft sendet; es bedeutet, dass die Überlieferung diesen Augenblick des Tages mit einem Thema verknüpft, über das Sie nachdenken können, oder das Sie ebenso gut ignorieren können.

Die nützlichere Frage lautet nicht „Was will mir dieser Engel sagen?", sondern „Passt dieses Thema zu dem, was ich gerade durchlebe?". Eine Übereinstimmung auf der Uhr hat noch nie das Ergebnis einer Prüfung oder eine Entscheidung verändert: Sie kann höchstens als Anhaltspunkt dienen, um eine Frage zu formulieren, die man sich ohnehin schon gestellt hat.